Norden

Das Facebook-Coming-out von Big Daddy Karsten

Der Norweger Karsten Marcussen ist schwul. Das wäre an sich nichts Besonderes, aber Karsten ist Rapper und als „Big Daddy Karsten“ in einer noch immer manchmal homophoben und machohaften Szene aktiv. Sein öffentliches Coming-out entwickelte sich in einem Facebook-Thread – und kostete ihn einige Freunde.

Vor knapp zwei Wochen schrieb Karsten, Typ Bär, mit rundlicher Figur und Bart, 28 Jahre alt, eigentlich über etwas ganz anderes: „Wenn du 13.000 für Klamotten ausgibst, die du nicht haben willst…FML.“ (Für die Nicht-Hip-Hopper wie mich: FML bedeutet laut Urban Dictionary entweder: Fix my lighthouse, oder, in diesem Fall wahrscheinlicher: Fuck my life.)

Was dann geschah, war spannend, hatte Momente von Fremdscham und ging ans Herz.

  • John kommentierte: Hast du ein süßes Mädchen beim Shoppen dabei gehabt?
  • Karsten: Keine Chicks für mich, Junge 😉
  • John: Aha?
  • Karsten: I’m about dem boys 🙂
  • John: Gay :’D
  • Karsten: Richtig! 🙂
  • John: Hahaha, das habe ich nicht kommen sehen!
  • Karsten: Das macht doch nichts 😉
  • John: Ich mag dich in jedem Fall, Karsten.
  • Karsten: Toll, dass du das sagst – aber ich habe mit nichts anderem gerechnet
  • Gro Catrine: Hast du deshalb nicht das Foto der schönen Frau geliket, das ich dir geschickt habe? Oder scherzt du nur?
  • Karsten: Nein, kein Scheiß!
  • Gro Catrine: Hast du heute dein Coming-out?
  • Karsten: Viele wussten es eine Weile, aber es ist das erste Mal, dass ich darüber auf Facebook schreibe.
  • Gro Catrine: Respekt. Ich hoffe, du findest einen sexy Typen, falls das noch nicht passiert ist.

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Doch es gab nicht nur positive Reaktionen. Im nächsten Post schrieb Karsten, dass ihn 13 Facebook-Freunde seit dem Coming-out-Thread entfreundet haben. Und er machte klar, dass er keine Freunde braucht, die ein Problem mit seiner Homosexualität haben. Einhellige Meinung in den Kommentaren darunter: „Solche Freunde brauchst du nicht – haters gonna hate!“

Dem norwegischen Rundfunk sagte Karsten, dass er schon mit 12, 13 Jahren wusste, dass er nicht hetero war. Vor ein paar Jahren habe er es Freunden und seiner Mutter gesagt, und lange geglaubt, er sei bisexuell: „Aber das bin ich absolut nicht.“

Karsten hat übrigens „Homo“ selbst in seien Texten als Schimpfwort benutzt – Homosexualität gilt eben in Hip-Hop-Kreisen als Zeichen von Schwäche.

Jetzt arbeitet er mit daran, das zu ändern. Und das bringt ihm Respekt in Norwegen, vom Rapper Don Martin, der Karsten auf seiner Seite für dessen Mut lobt, und vom Blogger Magnus Forsberg, der auf Twitter schreibt: „Riesen Respekt, Karsten. Das bedeutet viel für einen Haufen Kids!“

Karsten wird vom Rundfunk zwar als etablierter Rapper beschrieben, aber eine nationale Ikone ist er wohl nicht – zumindest lassen 760 Twitterfollower und ein paar Tausend Klicks pro Youtube-Video darauf schließen.

Aber er hat einen Teil dazu beigetragen, dass Homosexualität dort, wo sie noch nicht „normal“ ist, ein Stück weit alltäglicher wird.