Norden

Flüchtlingskinder in schwedischen Schulen

Schweden mit seinen 9,5 Millionen Einwohnern hat im vergangenen Jahr fast 200.000 Asylbewerber aufgenommen – proportional circa doppelt so viele wie Deutschland. Ungefähr ein Drittel davon ist im Schulalter. Viele der Jugendlichen sind ohne ihre Eltern ins Land gekommen. Schwierig für Land, Kommunen, Schulen.

Vorab: Den dazu gehörigen Beitrag im DLF findet ihr hinter diesem Link. Alles, was da nicht reingepasst hat, aber ich noch sagen wollte, schreibe ich hier auf.

Ich war in der Johan Skytteskolan in Älvsjö (zehn Kilometer vom Stockholmer Stadtzentrum), wo Lehrer und Schulleitung wirklich beeindruckende Arbeit leisten. Die Schule ist integrativ, behinderte lernen mit nichtbehinderten Schülern. Man hat zwar wenig Erfahrung mit Flüchtlingen, aber damit, unterschiedlich starke Schüler auszubilden.

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„Johan Skytteskolan – Vielfalt bereichert“

Und das ist bei den Flüchtlingen definitiv der Fall: Die meisten können kein Schwedisch, manche waren noch nie in der Schule – und dann wechseln viele schon nach einem Jahr auf die weiterführende Schule – circa, wenn sie 16 sind. In Schweden geht die Grundschule neun Jahre, dann gehen alle aufs Gymnasium. Und das ist sehr frustrierend, sagte mir die Lehrerin Pernilla Einberg – weil man manchmal nur den Grundstein legen kann bei den nyanlända, also quasi Neu-Gelandeten, wie die Schüler aus dem Ausland genannt werden. Die Bezeichnung finde ich sehr charmant – irgendwie weniger kategorisierend als „Flüchtling“ oder „Migrant“.

Die Lehrer hier sehen die Aufnahme von Flüchtlinge als ihre Aufgabe – und die der Politik, Bildung für alle sicherzustellen. Daher weigern sie sich, von einer Belastung durch die Flüchtlinge zu sprechen. Aber insgesamt ist es eine, weil das große Problem in Schweden die Verteilung ist, weil a) die Kommunen proportional unterschiedlich viele Flüchtlinge aufnehmen und b) die Verteilung innerhalb der Kommunen auf die Schulen ungleich ist – so hat der schicke Stadtteil Östermalm insgesamt vier (!) Flüchtlinge in zwei Monaten aufgenommen, und der vom Hörensagen gar nicht mal so schicke Randbezirk Hägersten-Liljeholmen 261.

Die Johan Skytteskolan begegnet den Flüchtlingen mit Optimismus. Dafür zu sorgen, dass es mehr Schulen genauso machen, wird noch eine große Herausforderung für das schwedische Schulsystem werden.

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„Unsere Schule und unsere Verhaltensregeln“

Die Verhaltensregeln:

  • Wir zeigen Respekt und Rücksicht füreinander
  • Wir helfen allen, eine Schule zu kreieren (wörtlich: schaffen), in der sich alle sicher fühlen
  • Wir alle übernehmen Verantwortung dafür, unsere Schule ganz, rein und schön zu halten.